Donnerstag, 30. Dezember 2010

Weihnachtsfeiern

Mein Heiligabend begann, als ich nachmittags mit meiner ganzen Familie und später noch mit meiner Freundin skypen konnte.

Als ich dann abends wieder zu Hause ankam, waren schon die Eltern meiner Gastmutter und ein paar andere Verwandte da.

Die Zeit bis zum Essen haben wir uns mit einem Film vertrieben, während noch ein paar andere Geschwister, Onkel und Tanten mit Neffen und Basen ankamen.

Das Essen kam dann gegen halb 11 auf den Tisch.
Es gab Truthahn mit Reis, Kartoffeln, Erbsen und Möhren und 'Choclo' (= Maiskolben).
Hmm... que rico! (= "Wie lecker!")

Danach wurden "kurz und schmerzlos" die Geschenke überreicht.
Später hab ich mir den Abend mit ein paar der männlichen Verwandten vertrieben, indem wir über verschiedene Dinge geredet und diskutiert haben.


Unser Weihnachtsbaum


Insgesamt fand ich es nicht sehr weihnachtlich im Vergleich zu dem, was ich aus Deutschland kenne, aber es war trotzdem ein schönes Familienfest.
Jedoch mit einer Familie, die nicht wirklich meine ist.


Schon am 21.12 hat unsere Schule eine kleine Weihnachtsfeier veranstaltet.
Es begann damit, dass die Kinder in den unterschiedlichsten Kostümen (Maria und Joseph, Engel, Hirten oder Tiere) zusammen mit den Eltern und uns Lehrern einen kleinen Umzug durch den Stadtteil unserer Schule machten.



Dabei haben wir an mehreren Punkten angehalten um ein Stück der Weihnachtsgeschichte zu hoeren oder Kindern zu gedenken, denen es nicht so gut geht (die z.B. krank sind oder geschlagen werden).

Am letzten Punkt gedachten wir auch einem Vater einer der Kinder, der ein paar Tage vorher unerwartet im Alter von knapp 30 Jahren an einem Herzinfakt gestorben war.

Weil das Schulministerium den letzten Schultag erst kurz vorher auf den 21ten (statt dem 24ten) gelegt hat und auf Grund des Todesfalles haben wir keine weitere Feier gemacht.

Dafür haben die Kinder dann in ihren Klassen vom Weihnachtsmann ihre "Funda de Caramelos" (Eine Tüte voller Süßigkeiten) bekommen und durften im Anschluss nach Hause gehen.



Wir Lehrer haben untereinander auch noch Geschenke ausgetauscht, wie beim "wichteln", nur heißt dies auf spanisch: "Amigo secreto" (= "geheimer/unbekannter Freund").

Ich hab dabei von Julika den ersten Band von Narnia auf spanisch bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe.


Danach haben wir noch gegrillt, wobei es einige Zeit gedauert hat, bis die Kohle endlich fertig war, nachdem einige Anfeuerungsversuche (u.a. mit Plastik und Farbe) fehlgeschlagen waren.

Das Essen, es gab Würstchen, etwas Huhn, Kartoffeln (!), Choclo und Salat, war aber trotzdem sehr lecker.

Zum Schluss gab es dann für uns alle auch noch eine "Funda de Caramellos" und wir haben uns alle frohe Weihnachten gewünscht.

Insgesamt war es ein wirklich schöner Abschluss des ersten Trimesters.

Schöne Weihnachtsgrüße aus Quito, Ecuador
Dirk

Donnerstag, 23. Dezember 2010

¡Feliz Navidad!

"Einmal werden wir noch wach..."

Die Weihnachtsstimmung haelt sich bei mir noch sehr in Grenzen, da es hier zum einen nicht sehr besinnlich oder ruhig (Verkehr), noch kalt zu geht und zum anderen wuerde ich in diesen Tagen doch gerne zu Hause sein um mit meiner Familie feiern zu koennen.

Dafuer werde ich vorraussichtlich ab dem 27ten Dezember in Atacames (in der Naehe von Esmeraldas) an der Kueste sein und dort auch Silvester (= "Año viejo") feiern.

Die Bilder liefere ich dann nach ;)

Ich wuensche euch allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes und glueckliches neues Jahr 2011!

Liebe Gruesse aus Quito, Ecuador
Dirk

Samstag, 27. November 2010

Die Mitte der Welt

Am Donnerstag dem 18ten November war ich für einige Zeit wieder auf der Nordhalbkugel der Erde.

Ich bin zusammen mit meiner Familie zum "Mitad del Mundo"-Denkmal in der Nähe von Quito gefahren.


Dort gibt es neben dem Denkmal und diversen Souveniershops auch noch einige Museen zu besichtigen, für die man allerdings vereinzelt erneut Eintritt zahlen muss.



Zuerst haben wir uns aber der "Hauptattraktion" gewidmet und sind einmal gemütlich um das Denkmal spaziert, wobei ich von jeder Seite ein Foto gemacht habe, welche ich euch nun auch nicht vorenthalten will:

Norden:


"Zur Erinnerung
an den gelehrten
Ecuadorianer
Pedro Vicente Maldonado
der mit den
Akademikern
des 18ten
Jahrhunderts
zusammenarbeitete
1704 1748"


Westen:


"Gewidmet:
Jorge Juan und Santa Cilia
und Antonio de Ulloa
berühmte, spanische Seefahrer,
die
zusammen
an der
Vermessung des Planeten
gearbeitet haben.
1736 1744"


Sueden:


"Die
Regierung von Ecuador
und das Komitee von
Französisch-Amerika
präsentieren der Welt
anlässlich des
zweihundersten Jahrestages
der französisch-spanischen
geographischen Vermessung
im 18ten Jahrhundert
diese Tafel (wörtl: Zeichen)
auf dem Breitengrad: "Null"
Im Jahr 1936"

Osten:


"Gewidmet:
Luis Godin
"Karl der Tausendste der Grafschaft" (unsicher)
Pedro Rouguer
Gelehrter aus Frankreich
1736 1744
die
den ecuadorianischen
Meridialbogen
ausmaßen
und so die
Form der Erde
ableiteten."


Da erst wir recht spät angekommen waren, hatten wir nun fast keine Zeit mehr uns die Museen anzuschauen, jedoch konnten wir noch erstaunlich große Insekten, einhergehend mit Spinnen und Schmetterlingen, sowohl tot, als auch lebendig bewundern.

Außerdem konnten wir noch kurz in das Museum reinschauen, indem die Vermessung der "Straße der Vulkane" erzählt wird, welche fast die gesamten Anden in Ecuador umfasst.



Mir hat der Ausflug, trotz der knappen Zeit, viel Spass gemacht, besonders, weil meine ganzen Gastfamilie mitkommen konnte.


Der einzige Wehrmutstropfen bestand darin, dass der am Denkmal gekennzeichnete Äquator in Wahrheit nicht der richtige Äquator ist.
Wie in der Zwischenzeit – mit Hilfe von GPS – herausgefunden wurde, befindet sich der echte Äquator ca. 200 Meter weiter nördlich.
Dort befindet sich seit einigen Jahren auch ein Museum, indem es mehrere Versuche gibt, die dort den Verlauf des Äquators beweisen.
Unglücklicherweise hatten wir, wie schon gesagt, keine Zeit mehr um auch dieses Museum (das außerhalb der "Mitad del Mundo"-Anlage liegt) zu besuchen.

Aber ich werde während meines Auslandsjahres definitiv nochmal dort vorbeischauen ;)

Ach und für die Aufmerksamen, die nach meiner Anfangsbemerkung nun denken, ich sei gar nicht auf der Nordhalbkugel gewesen:
Doch, denn wir haben die Straße nördlich jenes Museums befahren, um zum Mitad del Mundo zu kommen ;)


Liebe Grüße vom Äquator in Ecuador
Dirk

Mittwoch, 24. November 2010

Mein Geburtstag im fernen Land

Morgens bin ich wie gewohnt zur Schule gefahren und gleich beim allmorgendlichen "Apell" haben sämtliche Kinder für mich ein Ständchen gesungen!

Was für eine schöne Überraschung :D

Zuerst sangen sie "Happy Birthday" tatsächlich auf englisch, was mich als Englischlehrer natürlich besonders gefreut hat und im Anschluss noch auf spanisch:

"Estas poniendo viejito,
estas poniendo viejito,
estas poniendo viejito,
y nadie lo puedo negar!"

Auf deutsch freiübersetzt heißt das:

"Du wirst immer älter,
du wirst immer älter,
du wirst immer älter,
und keiner kann es abstreiten!"

Auch wenn der Text ein wenig gemein ist, habe ich mich doch sehr darüber gefreut :D

Anschließend gingen Julika und ich in die dritte Klasse, wo die nächste Überraschung auf mich wartete:

Die ganze Klasse hatte Geburtstagskarten für mich gebastelt!

Ebenso bekam ich von den Kindern der anderen Klassen Selbstgebasteltes oder auch ein paar Süßigkeiten.

Mit soviel Aufmerksamkeit und Zuwendung hab ich gar nicht gerechnet, geschweige denn erwartet und so habe ich mich natürlich riesig gefreut. =)


Am Nachmittag konnte ich dann noch ausführlich mit meiner Familie und meiner Freundin skypen, was mich auch besonders gefreut hat, da ich sie über die große Entfernung und trotz allen tollen Menschen und Erfahrungen, die mir hier begegnen, doch sehr vermisse.


Am Freitagabend war ich dann mit einigen der anderen Frewilligen, die mitlerweile schon zum Teil enge Freunde geworden sind, erst in einer Bar und später in einer Disco feiern.

Zu guter letzt habe ich am Samstagabend noch mit meiner Familie gefeiert.
Hier muss ich nun entäuschenderweise berichten, dass es keine tollen Geburtstagstraditionen gibt, von denen ich berichten könnte:
Mein Gastvater hat mir einen leckeren Schokokuchen gebacken von dem wir dann nach dem Abendessen, zusammen mit einer Tasse Kamillentee, ein Stück gegessen haben.


Aber ich habe es sehr genossen im Kreis der Familie, wenn auch unspektakulär, zu feiern =)


Was Geschenke an geht, habe ich neben den selbstgemachten Karten der Kinder noch 2 Pakete aus Deutschland erhalten, die zum Großteil mit Schokolade gefüllt sind und mich so sehr glücklich gemacht haben :D


Außerdem habe ich einen wundervollen, selbstgemachten Kalender von meiner Freundin Johanna bekommen, über den ich mich am meisten gefreut habe.

Und an dieser Stelle möchte ich nochmal allen Menschen danken, die mir direkt oder indirekt ihre Glückwünsche überbracht haben:

Vielen Dank! Gott segne euch für eure Unterstützung!


Aus Quito, Ecuador
Dirk

Montag, 15. November 2010

190 Jahre Unabhängigkeit: Cuenca

Jedes Jahr am 3ten November wird in Ecuador die Unabhängigkeit von Cuenca gefeiert.
Am 2ten November ist dagegen der "Tag aller Toten" (in Deutschland bekannt als: "Allerseelen"), der ebenfalls ein offizieller Feiertag in Ecuador ist. Wie schon gesagt gibt es zu diesem Tag "Guagua de Pan" und "Colada Morada".

Dieses Jahr fielen die beiden Feiertage auf einen Dienstag und Mittwoch und so hat die Regierung entschieden, dass der Montag ebenfalls frei ist und dafür an einem anderen Samstag stattdessen dafür gearbeitet wird.

Demzufolge hatten wir 5 Tage am Stück frei und haben die Gelegenheit genutzt und uns auf den langen Weg nach Cuenca gemacht um dort an den Unabhängigkeitsfesten teilzunehmen.

Am Samstagabend um 21:30 haben wir uns am südlichen Busterminal "Quitumbe" zu dritt eingefunden und sind nach etwa 9 ½ Stunden Busfahrt in Cuenca angekommen.

Ankunft an dem Busterminal von Cuenca:

Plaza Calderón mit der "neuen" Kathedrale:

Dort haben wir uns dann als Erstes auf die Suche nach einem Hostal für die nächsten zwei Nächte gemacht, da wir im Vorfeld keines buchen konnten, da alle schon belegt waren. Durch die Feste kommen sehr viele Menschen in die drittgrößte Stadt Ecuadors und dementsprechend voll waren die eingängigen Hostals.

Nach recht kurzer Suche fanden wir dann auch ein Hostal, das tatsächlich noch genau EIN Zimmer für 3 Personen übrig hatte. Da es sich aber um ein Einzel- und ein Doppelbett handelte, haben wir mit dem Besitzer noch etwas verhandelt und so haben wir letzlich für zwei Nächte und drei Personen nur 100 $ statt 120 $ bezahlt und das Frühstück bekamen wir noch gratis dazu.

Nach unserem Frühstück (es war ja immer noch sehr früh) haben wir uns dann mit einigen anderen Freiwilligen getroffen und sind, auf der Suche nach einem "Mercado artesanal" (= Markt für Souveniers und Handgemachtes) in insgesamt drei Orte im Umland von Cuenca gefahren.

Der erste Ort heißt: "Gualaceo" und liegt etwa eine Busstunde östlich von Cuenca.
Dort haben wir einen schönen, traditionellen Markt mit Früchten und anderem Essen gefunden und sind dann weiter nach: "Chordeleg" gefahren.

Fruechte soweit das Auge reicht:

Zu diesem Zweck haben wir uns ein Pick-up-Taxi besorgt, bei dem ich dann zum ersten Mal hinten auf der Ladefläche mitgefahren bin :D


Der Ort "Chordeleg", der in der Vergangenheit für seine Gold- und Silbervorkommen schon von den Inka und später von den Spaniern geschätzt wurde, wird auch heute manchmal noch "Chorro de Oro" ("sprudelnde Goldquelle") genannt wird.


Dieser Ort zeugt aber nicht durch seine Größe, sondern vielmehr durch die vielen Juweliergeschäfte von seiner Einnahmequelle und hier fanden wir dann auch endlich ein paar Geschäfte und Staende (im Vordergrund), die die gesuchten Souveniers verkauften.

Zum Mittagessen sind wir dann noch etwa 20 Minuten mit dem Taxi (für 6 Dollar – 1 $ pro Person) in den Ort: "Sigsig" gefahren, der das kleinste von den drei Dörfern war.

Mittagessen auf ecuadorianisch:

Hier gab es aber nicht viel zu sehen, weswegen wir uns bald danach mit dem Bus auf den Rückweg gemacht haben und uns abends noch in eine deutsche Bar (genannt "Wunderbar") in Cuenca begeben haben.

Am nächsten Tag wollten wir dann in den westlich von Cuenca gelegenen Nationalpark "Las Cajas" fahren, wurden aber vom Regen davon abgehalten.
Später sind wir dann zu den Thermalquellen von "Baños" gefahren, nicht zu verwechseln mit den anderen "Baños" etwa 3 Stunden von Quito entfernt, indem es ebenfalls heiße Quellen gibt.

Durch den leichten Nieselregen war es dann auch angenehm leer in dem kleinen Bad und wir konnten in Ruhe das warme (teilweise sogar heiße) Wasser genießen.


Am Nachmittag haben wir uns dann Cuenca ein wenig angeschaut. Hier fanden wir dann auch den vom Vortag gesuchten Markt mit Souvenieren:


Außerdem haben wir uns noch die "neue" Kathedrale angeschaut, welche am "Plaza Calderón" liegt und sich direkt gegenüber der "alten" Kathedrale von Cuenca befindet.

Die "neue" Kathedrale von aussen:
und von innen:


Die "alte" Kathedrale:

Am Abend gab es dann am "Plaza Calderón" neben Live-Musik und Tänzen in traditioneller Kleidung auch noch schönes aber teils gefährliches Feuerwerk.
Den Anfang machte die "Vaca loca" (= verrückte Kuh), die direkt neben den Menschen umherlief und ein Feuerwerk abbrannte.



Und kurz darauf die "Feuertürme", die ihr Feuerwerk ebenfalls bis in die Menschenmengen sprühten.


Bis auf eine Palme wurde aber meines Wissens nach niemand weiter verletzt und die Palme (die in der "Baumkrone" ein bisschen Feuer gefangen hatte) wurde auch schnell von den "Bomberos" (= Feuerwehrmännern) gelöscht.


Am Dienstag sind wir dann nach einer kurzen Nacht mit dem Bus in den Nationalpark gefahren. Dort nahmen wir einen Weg, der uns nach einem kleinen Nadelwald und etwa 20 Minuten Anstieg zu einer wunderschön gelegenen Lagune führte.



Fabian und ich sind dann nach wenigen Minuten weitergelaufen um den nahe gelegenen Berg zu erklimmen, worauf die anderen anfangs keine Lust hatten.



Nachdem wir aber nach etwa einer ¾ Stunde den Gipfel erreicht und den anderen (die auch etwa in unsere Richtung gegangen waren) zugewunken haben, haben diese den Gipfel ebenfalls erklommen.




So haben wir dann zusammen auf dem fast 4000 Meter hohen Berg zusammen ein Picknick abgehalten. Wobei wir auch noch einheimische Flora:

und Fauna bewundern konnten:

Zurück nach Cuenca sind wir dann per Anhalter in einem Pick-up gefahren. Genauer gesagt waren wir zu zwölft (!) auf der Ladefläche des Pick-ups. Auch wenn es sehr eng war hatten wir eine Menge Spass :D

In Cuenca haben wir dann in der "Wunderbar" zu Mittag gegessen und waren im Anschluss nochmal auf dem "Mercado artesanal" und abends haben wir neben Live-Musik wieder das Feuerwerk der "Feuertürme" genießen können, bis wir mit dem Bus zurück nach Quito gefahren sind.

Montag, 25. Oktober 2010

"Und taeglich gruesst..." - Alltag in der Schule

Update mit neuen Bildern!

Mit diesem Blogeintrag wollte ich euch mal einen detailierteren Einblick in meinen Arbeitsalltag geben.

Gegen halb 7 verlasse ich das Haus und mache mich auf den Weg zu meiner Bushaltestelle. Nach etwa 10 Minuten Fussweg bin ich dann in der richtigen Strasse angekommen und warte mal laenger mal kuerzer auf meinen Bus.

In Quito gibt es uebrigens fast keine Busfahrplaene. Nach bestimmten Zeiten wird sowieso nicht gefahren und einzig die drei Hauptbuslinien, die alle von Norden nach Sueden fuehren, fahren auf einer gesonderten Busspur und haben dort vorgeschriebene Haltestellen, an denen sie auch jedes Mal anhalten.
Die unzaehlbar vielen anderen Verbindungen haben zwar auch hin und wieder ein "Parada" (=Haltestelle)-Schild, an dem sich auch meistens die Leute sammeln, man kann die Busse jedoch auch einfach per Handzeichen zum stehen bewegen.
Dabei sollte man sich als Mann aber nicht wundern, wenn der Bus langsam (oder auch ein bischen schneller) weiterfaehrt, da Maenner im allgemeinen zum Aufspringen bereit sind. Fuer Frauen wird jedoch eigentlich immer angehalten. Es gibt also doch noch Kavaliere ;)

Nach knapp 20 Minuten Busfahrt steige ich dann (manchmal, aber nicht immer durch das rufen von: "Gracias") bei meiner Schule aus.
Dort habe ich dann meist noch zwischen 5 und 10 Minuten Zeit, bevor es zum "Morgenappell" geht.

Wenn es klingelt sammeln sich alle Kinder auf dem Schulhof und stellen sich nach Klassen, Groesse und Geschlecht geordnet auf.
Eine Lehrerin erzaehlt dann ggf. noetige Informationen oder singt mit den Kindern zusammen ein Lied. Manchmal muessen die Kinder ein wenig auf der Stelle marschieren oder huepfen, was die Meisten dann auch wachruettelt. Oft wird aber auch ein Lied gesungen und montags meist die Nationalhymne.

Hier seht ihr die Kinder bei ein wenig Morgengymnastik in Form eines Tanzes:



Danach geht es fuer Julika und mich um halb 8 in die 3te Klasse, was (vom Alter her) der ersten Klasse in Deutschland entspricht.


Dort bringen wir den Kindern hauptsaechlich Vokabeln bei, was wir sowohl als Frontalunterricht, mit Hilfe des Buches, als auch spielerisch gestalten.

So haben wir ihnen zum Beispiel ein paar Dinge aus dem Wohn- und Esszimmer beigebracht, indem wir zuerst die Kinder verschiedene Begriffe aus den Raeumen haben sagen lassen.
Anschliessend gab es dann noch 1 - 2 Uebungen aus dem Englischbuch, was die Kinder seit diesem Monat besitzen.
Zur Wiederholung haben wir dann ein kleines Spiel gemacht:

Julika hat verschiedene Gegenstaende an die Tafel gemalt und ich dazu kleine Zettel vorbereitet, auf denen die Englischvokabeln stehen und die man ankleben kann.
Jedes der Kinder hat dann eine dieser Karten bekommen und auf Kommando mussten alle Kinder ihre Karte beim richtigen Bild platzieren.


In der zweiten Klasse arbeiten wir fast ausschließlich mit Malaufgaben, da die Kinder erst in diesem Jahr das Schreiben lernen.


Vor ein paar Tagen hat die Lehrerin der Zweiten uns diverse Stempel gegeben, mit denen wir nun auch arbeiten können, damit der Unterricht nicht zu eintönig wird.
Die Schüler haben zwar auch alle ein Buch, dort wird aber viel Schreibarbeit verlangt, die die Kinder ja noch nicht leisten können.


In der vierten und fünften Klasse machen wir viel Frontalunterricht unterstützt von Übungen aus dem jeweiligen Englischbuch. Dabei machen wir auch viele Wiederholungen, da wir gemerkt haben, dass die Kinder dies nötig haben um nachhaltig zu lernen.


Nach einer guten Stunde wird zur Belohnung auch mal gespielt. Hier beim Anfang eines Fangen-Spiels:


Ein Blick in die "Quarto de Básica":


Julika erklaert das Wort: "Ship"


Und ich korrigiere im Anschluss die Aufgabe aus dem Buch:



Letzten Freitag haben wir in der 4ten Klasse einen Test geschrieben. Während des Testes habe ich schon viele Fehler entdeckt, was bei mir eine gewisse Resignation hervorgerufen hat, weil die Kinder eigentlich langsam alles wissen müssten. Oder zumindest den größten Teil.

Nachmittags haben Julika und ich dann den Test zusammen korrigiert und unsere Stimmung hat sich ein wenig gebessert, da der Test letzlich nicht SO schlecht ausgefallen war, wie wir befürchtet haben.

Außerdem hatte ich den Test Dani und Paula (meinen Gastschwestern, die in der vierten und fünften Klasse sind) gezeigt und sie meinten der Test wäre sehr einfach.
Als wir nach dem Korrigieren Paula noch eine Kopie gegeben hatten, hatte sie aber sehr große Probleme, was uns (nach einem Blick in ihr Englischheft der Fünften) dann gezeigt hat, dass wir wohl ein recht hohes Niveau des Englischen unterrichten.
Das relativiert das Ergebnis des Testes auch wieder, weswegen wir doch recht zufrieden sein konnten.
Jetzt bleibt nur abzuwarten, wie die Kinder das Ergebnis des Testes auffassen.


Im Anschluss ist die große Pause, in der wir uns meist in die Küche begeben, wo wir einen kleinen Imbiss zu essen bekommen. Die Kinder können sich diesen Imbiss ebenfalls für ca. 50 Cent (variert je nach dem angebotenen Imbiss) kaufen.
Dabei gibt es jeden Tag etwas anderes zum Beispiel:

- Reis mit Huhn,
- Kartoffeln mit Spiegelei,
- Empanadas (eine Teigspezialität aus Ecuador, gefüllt mit Käse)
- Tomaten-Zwiebelsalat mit kaltem Huhn,
usw.

dazu gibt es dann Trinkyoghurt, manchmal Tee, aber meist irgendeinen Obstsaft. Zum Beispiel:

Jugo de ... (= -saft)
... Frutilla (Erdbeer-)
... Pina (Ananas-)
... Pera (Birne-)
... Naranja (Orangen-)
... Naranjida (Mandarinen-)
... Tomate del arból (Eine Tomatensorte, die am Baum wächst)
usw.

Hier ist ein Bild aus der Kueche. Links, wo grade der Junge mit dem roten Sportanzug steht, ist die Tuer:


Links ist die Direktorin Jenny, im Vordergrund deren Mutter, die fuer uns kocht. Dahinter (rosaner Pullover) noch eine Frau, die ab und zu kocht und dahinter Patty, die Lehrerin der sechsten und siebten Klasse. Ganz rechts sitzt Jennys Bruder, der Sport unterrichtet.

Hier noch ein paar Bilder aus der Pause:




Unter anderem Volleyball - ohne Netz:

Nach der Pause geht es für Julika und mich in die sechste Klasse. Dort können wir schon recht produktiv arbeiten, auch wenn wir das aktuelle Thema 2-3 Mal oder öfter wiederholen müssen, bis alle es verstanden haben.
Auch hier arbeiten wir teilweise frontal und teils mit dem Buch. Ebenso geben wir in allen Klassen fast täglich Hausaufgaben (in der 2ten und 3ten Klasse weniger) auf, die eine weitere Übung für die Kinder darstellt und uns gut zeigt, wer das Thema tatsächlich verstanden hat.

Hier ein Bild aus der sechsten Klasse:


Zum Schluss unterrichten wir die siebte Klasse, in der wir einen großen Reifeunterschied zur Sechsten festgestellt haben. Ist die sechste Klasse auf der einen Seite noch recht kindisch (Sie sind ja auch erst um die 10-11 Jahre alt), ist die Siebte schon etwas skeptischer und manchmal auch auf "jugendlichere" Art aufmüpfiger. Aber auch hier gibt es noch viele kindische Eigenarten der SchülerInnen.

Doch macht es in diesen beiden Klassen zur Zeit am meisten Spaß zu unterrichten. Im Vordergrund ist noch eine Schuelerin der sechsten Klasse zu sehen, dahinter dann die Siebte. Ja, sie teilen sich einen Klassenraum und auch eine Lehrerin.


Kürzlich haben wir die siebte Klasse aufgeteilt: Julika hat mit ca. der Hälfte "Present Progressiv" wiederholt, da diese Kinder das Thema noch nicht verstanden hatten (u.a. ein Junge, der schon 14 ist, aber bis vor 2 Wochen noch die 5te Klasse besucht hatte und nun viel aufzuholen hat).
Mit der anderen Hälfte habe ich dann ein wenig Diktat geübt, was die Kinder ebenfalls sehr dringend nötig haben, da ihre Rechtschreibung (wenn sie frei schreiben müssen) sehr schlecht ist. Sprich etwa die Hälfte oder mehr der Wörter die sie schreiben ist falsch.


Dann ist es ca. halb 1 und wir machen uns auf den Weg nach Hause.

Ein- bis zweimal die Woche treffen Julika und ich uns nachmittags um den Unterricht für die kommenden Tage vorzubereiten.
Dabei sind wir jedoch sehr flexibel und passen den Unterricht immer den Bedürfnissen der Kinder an. Wenn wir z.B. unter der Woche feststellen, dass die Kinder noch weitere Übungen zu einem Thema benötigen, können wir einfach die folgenden Sachen soweit aufschieben, wie es nötig ist.
Da wir keinem Lehrplan verpflichtet sind, können wir so sehr frei die Stunden gestalten und so auch für etwas Abwechslung sorgen.

Wir orientieren uns seit diesem Monat (denn erst seit diesem Monat hat die Mehrheit der Kinder die Bücher) aber besonders an den Englischbüchern, da wir so mit diesen arbeiten können und festgestellt haben, dass die Bücher aufeinander aufbauen, sodass ein jahresübergreifendes Lernen möglich ist.

Als wir anfangs noch keine Bücher hatten, haben uns vor allem die Englischmappen unserer Vorgängerinnen geholfen, in denen sie festgehalten haben, was sie in welcher Klasse unterrichtet hatten.

Julika und ich waren von der Idee und der Hilfe, die sie uns waren, so begeistert, dass wir nun ebenfalls Mappen für alle Klassen anlegen, um unseren NachfolgerInnen ebenfalls einen leichten Einstieg zu ermöglichen.


Alles in allem macht es mir (und auch Julika) viel Spaß in diesem Projekt zu arbeiten, auch wenn es ab und zu etwas anstrengend ist.
Aber die anderen LehrerInnen sind sehr nett und hilfsbereit und die Kinder schliesst man sehr schnell ins Herz.

Die einzige Frage, die ich mir bisher noch nicht beantworten konnte ist, was ich nach diesem Jahr machen will. Aber dafür habe ich ja auch noch ein wenig Zeit.

Liebe Grüße aus Quito, Ecuador
Dirk

PS: Hier ist noch ein Link zur Nationalhymne von Ecuador, damit ihr euch mal anhören könnt, was unsere Kinder (fast) jeden Montag beim Appell singen ;)
http://www.youtube.com/watch?v=fERHkk6BC7Q&feature=related

PPS: Julika fuehrt ebenfalls einen Blog ueber ihr Leben hier in Ecuador. Den Link zu ihrem Blog findet ihr bei den Links rechts ;)